Das Neema-Dorf

Das Neema-Dorf ist zu unserem Vorzeigeprojekt geworden. Im Mittelpunkt steht die  Neema Support Group, die auch beim kenianischen Ministerium für "Gender, Children and Social Development" registriert ist. Deren Mitglieder sind mit dem HI-Virus  infiziert und leben damit am Rande der kenianischen Gesellschaft. Sie leiden unter Zukunftsängsten, viele der Erkrankten verlieren ihre Arbeit, werden zum Teil sogar obdachlos. Leider ist nun Corona   für das Neema-Dorf zu einem speziellen Problem geworden.  Wenn sich Menschen mit dem Virus infizieren, deren Abwehrkräfte wegen HIV ohnehin stark geschwächt sind, ist das dramatisch. Drei Neema-Frauen sind mit Covid gestorben, darunter die langjährige Sprecherin der Gruppe. Das schmerzt uns. Ende 2021 haben im Dorf 18 Vollmitglieder gearbeitet, außerdem 12 assoziierte Mitglieder (das sind Frauen, die mittellos sind, aber nicht an HIV leiden).

Die  Neema Support Group ist weit über die Grenzen der Provinz Kwale hinaus bekannt. 2014  hatten wir das Privileg, unser  Dorf bei den  Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag   der Gattin des kenianischen Präsidenten, Margaret Kenyatta, vorstellen zu dürfen. Dieses Interesse  freute und ehrte uns natürlich sehr. Das Foto rechts dokumentiert den Besuch von Margaret  Kenyatta an unserem Informationsstand.

Wenn man etwas Pathos nicht scheut, kann man sagen: Das Neema-Dorf ist zu einer Bastion geworden, die den Betroffenen ein menschenwürdiges Dasein sichert. Das Dorf soll aber nicht nur für Menschen, die  an HIV erkrankt sind,  der  neue Lebensmittelpunkt sein. Das Dorf steht  ganz allgemein  sozial Schwachen offen.

Wir haben einen Wachmann, Juma heißt er, der mit seiner Familie in einem Steinhaus auf dem Gelände wohnen kann und darüber hinaus einen Lohn bekommt. Ganz wichtig und unverzichtbar ist die Position  des vom Verein ausgewählten und bezahlten  Gewährs- und Verbindungsmanns, der  den Neema-Frauen mit Rat und Tat zur Seite steht und uns  mit seinen Berichten auf dem laufenden hält. Weil es zuletzt einige sehr unerquickliche Querelen gab, mussten wir 2021 nach einer neuen personellen Lösung suchen. Und wir sind fündig geworden! Diese Schlüsselposition ist nun doppelt besetzt, nämlich mit zwei Brüdern, mit Daniel  und Omari. Die beiden sind  kompetent und  engagiert,  so dass wir uns auf eine harmonische und fruchtbare Zusammenarbeit freuen können. Und aktuell (Januar 2022) können wir sagen: Der Schwung, mit dem Daniel, Omari und die Neema-Frauen an die Arbeit gegangen sind, dürfte Früchte tragen. Wir rechnen  mit einer  sehr guten Ernte.






Daniel  Malanga Kadilo (rechts): 

Nach dem Besuch der Grundschule und danach der weiterführenden  Sekundarschule   studierte   ich   Französisch.   Meine   Ausbildung absolvierte  ich von 2013 bis 2015 in Deutschland (Stuttgart). Seit 2016 arbeite ich im Bereich der Animation in einem Hotel am Diani Beach. 2020 wurde ich mit der Leitung des Animationsteams betraut. Diese hauptberufliche Aufgabe fordert mich normalerweise sehr, aber ich werde daneben auch Zeit erübrigen, um mich zusammen mit meinem Bruder Omari um die Angelegenheiten im Neema-Dorf zu kümmern.

Omari  Hamisi Mwalolo (links): 

Nach der  Grund- und der Sekundarschule besuchte ich die Bauhochschule. Doch hier in Ukunda ist die Suche nach  einem Arbeitsplatz außerhalb des Tourismus   leider so gut  wie aussichtslos.  Daher bin ich glücklich, nun für den Verein "Wir helfen in Ukunda" tätig zu sein und meine Arbeitskraft zum Wohle der Frauen im Neema-Dorf einsetzen zu können.



Kurzer Rückblick auf die Geschichte des Dorfes

Wir können mit Fug und Recht von einem Dorf  reden, denn das Grundstück, das wir 2011 erworben haben, ist  nicht weniger als  4200  Quadratmeter groß. Das Gelände wird seit Beginn von unserer Neema-Gruppe landwirtschaftlich genutzt.  2012 gingen dort auch Werkstätten für Schreiner und Schneider in Betrieb. Anfang 2013 wurde die Vertiefung des Brunnens abgeschlossen. Das frische Brunnenwasser wird für einen geringen Preis von Juma, unserem Wachmann, auch an  Menschen in der Nachbarschaft verkauft, was den  Nachbarn den langen Weg zu einer entfernten Frischwasserstelle erspart und zugleich belegt, dass wir über den Zaun unseres Grundstücks hinaus denken.

Zentrales Bauprojekt 2013 war eine große Toilettenanlage. Die neue Anlage, integriert sind auch einige Duschgelegenheiten, ist mit einem modernen Abwassersystem ausgestattet, so dass die Abwässer  nicht - wie leider üblich - das Grundwasser verunreinigen.

2015 ist ein individuelles medizinisches Hilfsprogramm für die  Neema Support Group angelaufen. Deren Mitglieder werden nun von Dr. Kenneth Ireri vom Ukunda Medical Centre, das wir ebenfalls seit Jahren unterstützen (siehe Extra-Kapitel),    kostenlos betreut.


2015 konnte  ein Wasserturm fertig gestellt werden. Der 10.000 Liter fassende Tank steht in 3,5 Metern Höhe.  Ein  für die  Zukunft des  Dorfes wesentlicher Baustein war 2016 die Installierung der Tröpfchenbewässerung, so dass auf dem Neema-Areal   eine Nutzpflanzen-Plantage für Tomaten und Okra betrieben werden kann. Seither kommen auch die per Container aus Deutschland nach Kenia geschickten Gartengeräte  intensiv zum Einsatz. Die Vermarktung der Produkte klappt  gut. Bei über 1200 Pflanzen kann der Markt permanent mit reifen Tomaten bedient werden.

Sie sehen, im Neema-Dorf haben wir  einiges geschafft. Aber die Liste unserer  weiteren  Vorhaben ist anspruchsvoll.  Wir brauchen Ihre Unterstützung.




Das ist der Wasserturm (Baujahr 2015) auf unserem Neema-Gelände. Einen architektonischen Schönheitspreis wird dieses Bauwerk wohl nicht bekommen. Trotzdem sind wir rundum zufrieden: Das Ding funktioniert, und das ist für die Neema-Bewohnerinnen und für uns die Hauptsache.